Am schwersten auf der Welt zu verstehen ist die Einkommensteuer.
(Albert Einstein)

Hier finden Sie die neuesten Nachrichten in Sachen Steuerrecht,
damit Sie die Welt der Steuern besser verstehen!

 

Tankgutscheine auch f√ľr Minijobber m√∂glich

Mitarbeiter, die einen Minijob haben und bereits 450 Euro verdienen, k√∂nnen zus√§tzlich einen Tankgutschein erhalten. Der Tankgutschein ist ein Sachbezug. Dieser wird zus√§tzlich zum geschuldeten Arbeitslohn gew√§hrt, deshalb darf der Monatsverdienst nicht um diesen Betrag gek√ľrzt werden. Die 450-Euro-Grenze wird trotz des Tankgutscheins nicht √ľberschritten.
 

 

 
Waren- und Benzingutscheine sind grundsätzlich Sachbezug

Der Bundesfinanzhof hat entschieden, dass Warengutscheine wie beispielsweise Benzingutscheine immer dann als Sachbezug zu werten sind, wenn der Arbeitnehmer den Gutschein nicht gegen Bargeld, sondern nur gegen Ware einl√∂sen kann (Urteil v. 11.11.2010 VI R 27/09). Der Sachbezug bleibt steuerfrei, wenn der Wert kleiner als 44 Euro im Monat ist. Es sind nun zwei Voraussetzungen zu beachten: Der Arbeitnehmer kann nur die jeweilige Sache beziehen, entweder vom Arbeitgeber direkt oder auf dessen Kosten von einem Dritten. Wichtig ist hierbei, dass der Arbeitnehmer eine Sache bezieht und kein Bargeld. Ferner darf der Arbeitnehmer kein Wahlrecht haben und sich anstelle der Sache die H√∂he des Werts der Sachbez√ľge auszahlen lassen. Die Gutscheine d√ľrfen nun entgegen der Auffassung der Finanzverwaltung auch auf Euro lauten (H√∂chstbetrag 44 Euro). Ab sofort k√∂nnen nun Benzin- und Buchgutscheine als steuerfreie Gehaltsextras problemlos eingesetzt werden.

 
Ausdrucke von PDF-Dateien reichen als Nachweis von Werbungskosten aus

Hier liegt f√ľr Arbeitnehmer eine Erleichterung vor. Als Belege f√ľr Werbungskosten, Sonderausgaben oder au√üergew√∂hnlichen Belastungen in der Steuererkl√§rung reichen Ausdrucke von PDF-Dateien aus. In Zweifelsf√§llen kann das Finanzamt immer noch andere Nachweise anfordern. Dies hat das Bayerische Landesamt f√ľr Steuern klargestellt (Verf√ľgung vom 10.12.2010, Az: S 0240.1.1-3/3 St 42).

 
Vorsicht bei Privatverkäufen auf eBay

Das Finanzgericht Baden-W√ľrttemberg hat in einem konkreten Fall ein Ehepaar, das in drei Jahren durchschnittlich rund sieben Verk√§ufe pro Tag get√§tigt hatte, dazu verurteilt Umsatzsteuernachzahlungen von √ľber zehntausend Euro zu leisten (Urteil vom 22.09.2010, Az: 1 K 3016/08). Begr√ľndung daf√ľr war die √úberschreitung der Schwelle gelegentlichen Handelns. Der Organisationsaufwand daf√ľr betr√§gt im Durchschnitt mindestens eine Stunde t√§glich. Dieses Urteil sollte eBay-Powerseller hellh√∂rig machen. Wer eine Vielzahl von privaten Gebrauchsgegenst√§nden bei eBay verkauft, muss damit rechnen, dass er Umsatzsteuer zahlen muss. 


Lohnsteuerkarte und Lohnsteuerklasse

Weil das neue elektronische Verfahren ELStAM (elektronische Lohnsteuer-Abzugsmerkmale) nicht rechtzeitig einsatzbereit ist, gilt f√ľr 2011 die alte Steuerkarte 2010 unver√§ndert weiter. Bisher eingetragene Freibetr√§ge gelten ebenfalls weiter.
Neu ist, dass bereits ab 2011 f√ľr √Ąnderungen bei der Steuerklasse nur noch das Finanzamt zust√§ndig ist, nicht mehr das Einwohnermeldeamt. Wenn sich √Ąnderungen f√ľr die Steuerklasse ergeben, beispielsweise bei einer Ehetrennung oder bei Alleinerziehenden nach Auszug des Kindes, muss die Steuerklasse beim Finanzamt korrigiert werden.

Steuerpflichtiger Teil der Renten steigt

F√ľr alle Neurentner im Jahr 2011 verringert sich der steuerfreie Rentenanteil auf 38 %.  Wer 2005 oder fr√ľher in Rente ging, erhielt noch 50 Prozent des Rentenbetrags aus dem Jahr 2005 als lebenslangen Freibetrag.  

Freistellungsauftrag ab 1.1.2011 nur noch mit Steuer-Identifikationsnummer

Wer ab 2011 einen neuen oder ge√§nderten Freistellungsauftrag bei der Bank f√ľr seine Kapitalertr√§ge stellt, muss zwingend seine Steuer-Identifikationsnummer angeben. Bei gemeinsamen Freistellungsauftr√§gen von Ehepaaren ist auch die Identifikationsnummer des Partners mitzuteilen. Alte Freistellungsauftr√§ge bleiben bis Ende 2015 weiter g√ľltig. Ab dem 1.1.2016 muss auch f√ľr diese eine Identifikationsnummer vorliegen. Somit kann die Finanzbeh√∂rde die Freistellungsauftr√§ge √ľberpr√ľfen.

Handwerkerleistungen: H√∂chstbetrag wird auch bei Ehegatten nur f√ľr eine Wohnung gew√§hrt

Die Steuererm√§√üigung bei Aufwendungen f√ľr haushaltsnahe Besch√§ftigungsverh√§ltnisse, Dienst- und Handwerkerleistungen ist eine der wenigen Beg√ľnstigungen, die das Einkommensteuergesetz noch f√ľr die F√∂rderung der eigengenutzten privaten R√§umlichkeiten vorsieht. Voraussetzung ist jedoch die Vorlage einer Rechnung und, sofern vom Finanzamt gefordert, der Nachweis, dass der Rechnungsbetrag √ľber das Konto bezahlt wurde. Abziehbar sind jedoch nur die reinen Arbeitskosten; etwaige Sachkosten sind von der F√∂rderung ausgeschlossen.

Das Gesetz sieht folgende Förderhöchstbeträge vor:

  • Geringf√ľgiges haushaltsnahes Besch√§ftigungsverh√§ltnis: 20 % der Aufwendungen, max. 510 EUR
  • Haushaltsnahes sozialversicherungspflichtiges Besch√§ftigungsverh√§ltnis: 20 % der Aufwendungen, max. 4.000 EUR
  • Handwerkerleistungen f√ľr Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsma√ünahmen ohne von der KFW gef√∂rderte Ma√ünahmen nach dem CO2-Geb√§udesanierungsprogramm: 20 % der Aufwendungen, max. 1.200 EUR

Die Betr√§ge verdoppeln sich weder bei Ehegatten noch bei in einem Haushalt zusammenlebenden Personen. Doch wie liegt der Fall, wenn solche Aufwendungen auf mehrere Privathaushalte von Ehegatten entfallen und der einfache H√∂chstbetrag √ľberschritten wurde?

Mit diesem Fall hat sich aktuell der Bundesfinanzhof (BFH) besch√§ftigt. Eheleute beantragten in ihrer gemeinsamen Einkommensteuererkl√§rung die doppelte Steuererm√§√üigung f√ľr Handwerkerleistungen, die f√ľr zwei privat genutzte Einfamilienh√§user erbracht wurden. Das Finanzamt ber√ľcksichtigte nur den einfachen H√∂chstbetrag. Der BFH stimmte dieser Einsch√§tzung zu. F√ľr eine mehrfache Inanspruchnahme der Steuererm√§√üigung ergebe sich aus dem Gesetz kein Anhaltspunkt. Die Begrenzung der Steuererm√§√üigung auf einen H√∂chstbetrag gelte unabh√§ngig davon, ob die steuerbeg√ľnstigten Leistungen in einer oder in mehreren Wohnungen erbracht worden seien. Eine Vervielf√§ltigung der Steuererm√§√üigung sei auch unter verfassungsm√§√üigen Gesichtspunkten bei Ehegatten nicht geboten. Denn auch Alleinstehende, die gemeinsam in zwei (oder mehreren) Wohnungen wirtschaften, k√∂nnten die Steuererm√§√üigung nur einmal in Anspruch nehmen. Haben jedoch zwei Alleinstehende im Laufe eines Veranlagungszeitraums einen gemeinsamen Haushalt begr√ľndet oder aufgegeben, kann bei Vorliegen der √ľbrigen Voraussetzungen jeder die vollen H√∂chstbetr√§ge in Anspruch nehmen.

Arbeitszimmer

Mit einem (h√§uslichen) Arbeitszimmer k√∂nnen wieder Steuern gespart werden, wenn kein anderer Arbeitsplatz zur Verf√ľgung steht. Allerdings ist der Abzug auf 1.250 EUR begrenzt. Inkrafttreten: Die Neuregelung gilt r√ľckwirkend ab dem Veranlagungszeitraum 2007 in allen noch offenen F√§llen. Es gibt nun r√ľckwirkend ab 2007 dementsprechend zwei Alternativen, entweder voller Abzug der Aufwendungen, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der beruflichen bzw. betrieblichen T√§tigkeit darstellt, oder ein Abzug der Aufwendungen bis zu einer H√∂he von 1.250 EUR, wenn kein anderer Arbeitsplatz zur Verf√ľgung steht.  

Die neue Rechtslage er√∂ffnet insbesondere folgenden Berufsgruppen wieder die M√∂glichkeit Aufwendungen f√ľr das h√§usliche Arbeitszimmer bis zu 1.250 EUR als Werbungskosten oder Betriebsausgaben geltend zu machen: Lehrer, die in der Schule keinen Schreibtisch haben, angestellte Krankenhaus√§rzte, die f√ľr ihre freiberufliche Gutachtert√§tigkeit keinen Arbeitsplatz im Krankenhaus haben, Steuerpflichtige, die eine Fortbildung wahrnehmen oder die eine Nebent√§tigkeit aus√ľben, angestellte Au√üendienstmitarbeiter, die von ihrem Arbeitgeber keinen Arbeitsplatz zur Verf√ľgung gestellt bekommen.

R√ľckwirkend kann das Arbeitszimmer abgesetzt werden, wenn die Jahre 2007 bis 2009 noch nicht veranlagt sind, die Bescheide vorl√§ufig ergangen sind oder wenn ein Einspruch eingelegt wurde und das Einspruchsverfahren ruht.

Seeling-Modell

Der Vorsteuerabzug f√ľr gemischt genutzte Grundst√ľcke wird ab 2011 auf die unternehmerische Verwendung beschr√§nkt. Der nach dem Seeling-Modell m√∂gliche Vorsteuerabzug f√ľr den privat genutzten Geb√§udeteil scheidet folglich aus. Hinweis: Die Altregelung gilt weiter, wenn der Kaufvertrag vor dem 1.1.2011 abgeschlossen wurde. Bei eigenen Bauprojekten gilt der Bestandsschutz, wenn der Bauantrag bis zum 31.12.2010 gestellt wurde.

Musterprozess zur Bemessung der ‚ÄěEin-Prozent-Regelung“

Der Bund der Steuerzahler f√ľhrt einen Musterprozess mit dem Ziel, dass als Bemessungsgrundlage der ‚ÄěEin-Prozent-Regelung“ nicht der Bruttolistenpreis, sondern der handels√ľbliche Preis angesetzt wird. Dieser liegt in der Regel 15% bis 25% unter dem Bruttolistenpreis. Das Verfahren wird beim Finanzgericht Niedersachsen gef√ľhrt.

Aufwendungen f√ľr nicht anerkannte Behandlungsmethoden

Aufwendungen f√ľr eine aus schulmedizinischer oder naturheilkundlicher Sicht nicht anerkannte Behandlungsmethode, die nicht von der Krankenkasse √ľbernommen werden, k√∂nnen unter bestimmten Voraussetzungen als au√üergew√∂hnliche Belastungen abgesetzt werden. Gem. BFH-Urteil vom 02.09.2010 muss die Behandlung des todkranken Patienten durch eine zur Heilkunde zugelassenen Person (z. B. Arzt oder Heilpraktiker) erfolgen. Ferner muss es sich um eine Krankheit handeln, die aus schulmedizinischer Sicht unheilbar ist und die Krankheit muss schon so weit fortgeschritten sein, dass sie nicht mehr auf eine kurative Behandlung anspricht, und deswegen nur noch von einer begrenzten Lebenserwartung ausgegangen werden kann.  

Steuervereinfachungsgesetz

Am 20.12.2010 hat das Bundesministerium f√ľr Finanzen den Referentenentwurf eines Steuervereinfachungsgesetzes ver√∂ffentlicht. 36 Punkte sind geplant, um das Steuerrecht einfacher zu machen. Die Verabschiedung des Steuervereinfachungsgesetzes ist im Fr√ľhsommer 2011 geplant. Die einzelnen Ma√ünahmen sollen teilweise ab 2011 und teilweise ab 2012 wirksam werden.

Hier ein Auszug einiger geplanter Maßnahmen:

Anhebung des Arbeitnehmer-Pauschbetrags von 920 EUR auf 1.000 EUR

Gew√§hrung von Kindergeld und Kinderfreibetrag f√ľr alle in Ausbildung befindlichen Kinder zwischen 18 und 25 Jahren ohne Pr√ľfung der H√∂he der Eink√ľnfte und Bez√ľge

Abzugsfähigkeit von Kinderbetreuungskosten auch ohne Nachweis einer Berufstätigkeit, Krankheit oder Behinderung

Gemeinsame Abgabe von Einkommensteuererkl√§rungen f√ľr zwei Jahre. Dies gilt nur f√ľr Steuerpflichtige, die ausschlie√ülich √úberschusseink√ľnfte (z.B. Eink√ľnfte aus nichtselbst√§ndiger Arbeit oder Eink√ľnfte aus Vermietung und Verpachtung etc.) erzielen und wenn die nicht dem Steuerabzug unterliegenden Eink√ľnfte nicht mehr als 13.000 EUR betragen.

Weitere Ausweitung der papierlosen Kommunikation mit den Finanzämtern (z. B. elektronische Übermittlung von Steuerbescheiden)

Elektronische Bereitstellung einer vorausgef√ľllten Steuererkl√§rung